Tagungsband

Tagungsband zum 15. Münchner Fortbildungsseminar als Buch erschienen

Zum diesjährigen Fortbildungsseminar Geoinformationssysteme wurde, in Zusammenarbeit mit dem abc-Verlag, erstmals der Tagungsband des 15. Münchner Fortbildungsseminar Geoinformationssysteme als Buch herauszugeben. Das 240-seitige Exemplar gibt einen sehr schönen Überblick über die aktuellen Themen des Seminars. Der Tagungsband ist die erste Ausgabe der neuen Buchreihe „GIS.EVENTS“ des abc-Verlags.  Das Buch ist über den Buchhandel oder über die Geschäftsstelle des Runder Tisch GIS e.V.  für 30 € zu beziehen.

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Jedes Jahr im März findet an der TU-München das traditionell gewordene Seminar Geoinformationssysteme statt. Organisationsverantwortlicher  ist seit Beginn Matthäus Schilcher, Professor dieser Disziplin, der in Zusammenarbeit mit dem Runden Tisch GIS e.V. das Seminar durchführt und gestaltet.

 

Der Anlass ist mit der Zeit zu einer Referenzveranstaltung in Deutschland geworden, an welcher die neuesten Tendenzen der  Forschung, der Gesetzgebung, des Marktes und der Politik im Bereich der Geoinformation verständlich und aus einem neutralen und praxisorientierten Blickwinkel analysiert und dargestellt werden. Der Erfolg des Seminars kann anhand der Anzahl eingeschriebener Teilnehmer erkannt werden: Im 2010 waren 370 Teilnehmer aus dem In- und Ausland  eingeschrieben, davon 48% aus Verwaltungen, 34% aus Industrie- und Dienstleistungsbetrieben  und 18% aus Wissenschaft und Forschung.

 

Diese Erfolge, die sich Jahr für Jahr wiederholen, haben die Organisatoren bewogen, parallel zu den Vorträgen auch einen Tagungsband zu veröffentlichen, in welchem Seminarteilnehmer und weitere Interessenten einen Einblick in die aktuellsten Entwicklungen der Geoinformationstechnologie erhalten, einzelne Themen nach Bedarf vertiefen und sich ein Bild der Zukunft dieser Disziplin machen können.  

 

Der Band (240 reichlich illustrierte und gepflegt gedruckte Seiten) enthält Beiträge, die leicht lesbar sind, ausführliche Literaturhinweise für eine Vertiefung und  Angaben über Web-Seiten, auf welchen das Thema behandelt oder demonstriert wird.

 

Die Leser können bereits bei einer Analyse des Inhaltsverzeichnisses erkennen, welches die heutigen Kernfragen sind und welche Entwicklungen in den Geoinformationsberufen sowie in der Technik zu erwarteten sind. Ebenfalls vorgestellt werden die Faktoren, die sich indirekt auf den Markt auswirken und die Berufstätigkeiten von Morgen stark beeinflussen werden.

 

Ein erster Schwerpunkt erkennt man in den europäischen GDI-Aktivitäten (INSPIRE, GMES und andere), aus welchen man  grosse Impulse erhofft. Was ist zu erwarten? Wird Europa den Rückstand gegenüber Amerika aufholen? Eine sichere Antwort kann nicht gegeben werden, aber in verschiedenen Artikeln beschreiben die Autoren Ziele und Auswirkungen dieser Vorhaben auf den beteiligten Stufen (nationale, regionale und kommunale). Mehrere Autoren (M. Fornefeld, A. Fichtinger und T. Kutzner, P. Staub, U. Huber, G. Strunz, K. Hosse) beleuchten  aus unterschiedlichen Blickwinkeln die Bedeutung der europäischen Programme auf die Entwicklung des Geodatenmarkts. Ebenfalls besprochen oder angedeutet werden die Fragen der Interoperabilität, die nicht nur syntaktisch sondern auch semantisch realisiert werden muss. 

 

Einen zweiten Schwerpunkt der Aufmerksamkeit finden die Autoren  in der heute sehr oft erwähnten Möglichkeit, die Geodaten von den Anwendern selbst erfassen zu lassen. Dieser Ansatz für eine Kostenreduktion wird heute international oft vertreten und in Beziehung mit den modernen Sozialnetzwerken (Facebook, Netlog und andere) gebracht.  Es gibt allerdings auch erfolgversprechendere Lösungen, die die Zuverlässigkeitsvoraussetzungen eines professionellen GIS erfüllen und die im Tagungsband überzeugend vorgestellt werden. Besonders zu erwähnen ist ein Lawineninformationssystem (C. Suter), in welchem Bergführer (oder andere zuverlässige Beobachter) dank Mobiltelefonverbindungen laufend aktuelle Lagebeurteilungen senden und erhalten. Andere Autoren (J. Fitzke, A. Wiedman, M. Zhang) beschreiben, wie Qualität und Zuverlässigkeit der nutzergenerierten Daten zusammen mit bestehenden GIS-Daten kombiniert, überprüft und verbessert werden können.  Zuverlässig, aktuell und wirksam sind Daten, die von Netzen von festen oder mobilen Sensoren laufend aktualisiert und übermittelt werden (K. Spies, Ch. Heier, D. Mothes, C. Michl, R. Klipp, S. Jirka, C. Stasch). Sie werden eine immer wichtigere Rolle spielen bei der Fortführung von schnell ändernden Attributsdaten und für die Modellierung und Vorhersage von Phänomena,  die aus diesen Daten berechnet werden können. Zu erwähnen sind hier meteorologische und hydrologische Informationssysteme, Verkehrsüberwachungssysteme usw.

 

Die dritte Thematik, die einen immer grösseren Mehrwert in die Geoinformation bringen wird, ist die Erweiterung der Geometrie auf die dritte Dimension. Die Idee ist seit langem bekannt, aber die operationelle Realisierung erfordert trotzdem die Überwindung vieler Hindernisse. Die grössten Probleme liegen in der Gewährung von Aktualität, Flächendeckung, Detaillierungsgrad  und Finanzierbarkeit der dreidimensionalen Information. Im ersten Beitrag zu diesem Thema (Autor: A. Reimers) wird durch einen realisierten Lösungsansatz für eine ganze Stadt gezeigt, dass Vollständigkeit, geregelte Fortführung, homogene Detaillierungsstufen und Verschmelzung der Volumeninformationen mit den bestehenden zweidimensionalen Daten (Kataster) realisiert werden können. Andere Autoren (R. Bleifuss, J. Liebscher, A. Donaubauer, T. Kohoutek, R. Mautz) zeigen Lösungswege, mit welchen interoperable Dienstleistungen mit dreidimensionalen Objekten dank CityGML realisiert werden können. Eine weitere Herausforderung im Bereich der 3D-GIS sind erweiterte Analysefunktionen, die wesentlich vielseitiger sein müssen als in herkömmlichen 2D-GIS. Einige Beiträge (P. Willkomm, A. Zipf) zeigen anhand von ausgewählten Applikationen die Vielfalt der Bedürfnisse (Geomorfologie, topografische Orientierung, WEB-Analysen usw.). Die dritte Dimension kann auch Bereiche beeinflussen, die über Jahrhunderte ihre traditionelle Ausführungsform  behalten haben. Angesprochen sind hier die klassischen Atlanten, die in verschiedenen Ausführungen für Schulen, Reisen, Politik, Markt, Geologie usw, gebraucht werden. In ihrem Beitrag zeigen C. Heberling und R. Sieber, wie die Informationstechnologie dank dritter Dimension und fast unbegrenzter Speicherung thematischer Attribute eine vollständige Wende in der Herstellung solcher Werke ermöglicht haben.

 

Das Buch kann allen Fachleuten, die sich mit den modernen Formen der Geoinformation befassen, empfohlen werden.

 

 

 Alessandro Carosio,   Zürich, 22. März 2010

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