Pressemitteilung zum EU-Forschungsprojekt Humboldt

PRESSEMITTEILUNG
München, 31. März 2011


Grenzenlose Geoinformation
EU-Forschungsprojekt HUMBOLDT unter Beteiligung der Technischen Universität München erfolgreich abgeschlossen.
Grenzüberschreitende Lösungen sind heute oft ein entscheidendes Kriterium für eine effiziente und wirksame Planung und Entscheidungsunterstützung in den Bereichen Katastrophenmanagement, Sicherheit und Umweltschutz. Dies gilt beispielsweise für die Bewältigung von Hochwasserereignissen, die nicht an Grenzen halt machen. Hier müssen raumbezogene Informationen über die Grenzen von Systemen, Anwendungsbereichen und Ländern hinweg kombiniert werden. Die im Mai 2007 in Kraft getretene INSPIRE Richtlinie (Infrastructure for Spatial Information in Europe) hat die Weichen für die Schaffung der Europäischen Geodateninfrastruktur (ESDI) gestellt. Bisher stehen einer einfachen und effizienten grenzüberschreitenden Kombination und Nutzung von raumbezogenen Informationen aber noch eine Reihe von Hindernissen entgegen. Neben unterschiedlichen Datenformaten, Geometrien und Raumbezugs-systemen spielt u.a. auch die Heterogenität der Geodaten im Bereich ihrer Struktur und Inhalte eine große Rolle.

Genau hier setzte das HUMBOLDT Projekt an, das im März 2011 nach viereinhalb jähriger Laufzeit erfolgreich abgeschlossen wurde. Unter der Leitung des Fraunhofer Instituts für Graphische Datenverarbeitung kooperierten in HUMBOLDT 27 Partner aus 13 europäischen Ländern mit dem Ziel, grenzüberschreitende Datenharmonisierung durch die Entwicklung eines Open Source Software Frameworks zu vereinfachen. Die entwickelten Software Werkzeuge und Harmonisierungsprozesse wurden in einer Reihe von Anwendungsszenarien u.a. in den Bereichen Hochwasserinformation, Schutzgebietsmanagement, Stadtplanung, Grenzsicherung, Forst- und Wassermanagement sowie Luftqualität erprobt, aus denen auch die Anforderungen für die Entwicklung stammten.
Das Fachgebiet Geoinformationssysteme der Technischen Universität München war in HUMBOLDT u.a. für das Szenario European Risk Atlas (ERiskA) verantwortlich. In Kooperation mit der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich und der Intergraph SG&I Deutschland GmbH wurde eine prototypische Anwendung für die grenzüberschreitende Bodenseeregion (Gebiete aus Deutschland, Österreich und der Schweiz) entwickelt. Diese kann als Ergänzung zu bestehenden Hochwassermanagementsystemen genutzt werden und den Informationsaustausch über potentiell überflutete Gebiete zwischen den Behörden, die für das Katastrophenmanagement in der Bodenseeregion verantwortlich sind, erleichtern. Zur Entstehung der ERiskA Anwendung haben ferner die Landeswarnzentrale Vorarlberg als Ratgeber sowie die Vermessungsverwaltungen der Bodensee-Anrainerländer (Landesvermessungsamt Vorarlberg, Landesamt für Vermessung und Geoinformation Bayern, Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung Baden-Württemberg) als Datenbereitsteller beigetragen. Für das ERiskA Szenario wurden u.a. digitale Landschaftsmodelle (z.B. Gewässernetze), digitale Geländemodelle, Orthophotos, aktuelle Pegelstände von Hochwassernachrichtenzentralen der Bodensee-Anrainerländer sowie für unterschiedliche Pegelstände vorberechnete Überflutungsflächen als Informationsgrundlage heran gezogen. Dabei waren eine Reihe von Datenharmonisierungsaufgaben u.a. im Bereich der Raumbezugssysteme und der Datenmodelle zu bewältigen. Für die ERiskA Anwendung wurde ein gemeinsames Datenmodell basierend auf relevanten INSPIRE Datenspezifikationen (u.a. zum Thema Gewässernetz) entwickelt, in das die Ausgangdaten unter Verwendung des HUMBOLDT Alignment Editors (HALE) transformiert werden.
Die Ergebnisse der ERiskA-Entwicklung wurden in die vom Runder Tisch GIS e.V. betriebene INSPIRE-GMES-Demonstrationsplattform integriert. Nutzer der Demonstrationsplattform können Erfahrungen und Ergebnisse des Projektes kennen lernen und auf Beispiele für Datenharmonisierungsaufgaben in der grenzüberschreitenden Bodenseeregion zugreifen. Auf dem 16. Münchner Fortbildungsseminar Geoinformationssysteme, einer jährlich vom Runder Tisch GIS e.V. veranstalteten Fachtagung, wurden die HUMBOLDT Projektergebnisse ebenfalls vorgestellt. Sie flossen in einen ganztägigen Schulungskurs zum Thema „Datenharmonisierung im Kontext von INSPIRE“ sowie einen Vortrag im Workshop „Semantische Modelltransformation“ ein. Darüber hinaus profitieren auch Studierende des Fachgebiets Geoinformationssyteme von den Projektergebnissen, da diese beispielsweise in die Lehrveranstaltung „Geo Web Services“ integriert wurden. Erkenntnisse aus der Projektarbeit konnten ferner für Projektseminar-, Diplom- und Masterarbeiten sowie einer laufenden Dissertation genutzt werden.
„Das Teilprojekt ERiskA lieferte wichtige Ergebnisse für die grenzüberschreitende Datenharmonisierung zwischen den Ländern Deutschland, Österreich und Schweiz im Kontext von INSPIRE. Der Hauptnutzen besteht für Anwender in Lehre, Forschung und Praxis darin, dass die prototypisch erzielten Ergebnisse in der INSPIRE-GMES-Demonstrationsplattform des Runden Tisch GIS e.V. zu Testzwecken zum Download zur Verfügung stehen“, so Professor Matthäus Schilcher, Leiter des Fachgebiets Geoinformationssysteme.

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